Weg eines Priesters
Meine Charaktergeschichte erzählt die Ereignisse bis zu Stufe 1 meines Charakters.
Kapitel 1 - Die Reise
"Komm Cargor, wir müssen weiter!"...
"Cargor, beeilung, wir sind da!"...
Ich öffnete leicht das linke Auge, als ich meinen Namen hörte. Ich erkannte Erzbischof Benedictus, jenen großartigen Priester des Scharlachroten Klosters im Kampf gegen die Seuche.
Ich öffnete auch das andere und jetzt erkannte ich auch die Umgebung wieder. Eine kleine Kajüte aus dunklem Holz, wahrscheinlich Eiche, von rund drei Metern Länge. Und in der Mitte direkt vor meiner Koje stand Benedictus. Er strahlte eine Macht aus - es war unfassbar. In der rechten Hand hatte er einen großen Stab, dessen kreuzförmiges Ende von einem blau leuchtenden Licht umgeben war, welches die gesamte Kabine erhellte.
"Komm, steh auf, das Schiff hat in Menethil angelegt."
Ich versuchte aufzustehen, allerdings glückte mir dies erst beim zweiten Versuch - ich war das erste mal mit einem Schiff gefahren und diese Schiffe hatten die schlechte Eigenschaft jegliches Vorwärtskommen mit einem gigantischen Schaukeln zu zeigen.
"Entschuldigung" murmelte ich nur und reckte mich erstmal. Benedictus stand ungeduldig neben mir und strafte mich mit einem Blick, der vorwurfsvoll sein sollte, jedoch zeigte, dass er es nicht zu ernst meinte. Er hörte gleich wieder auf mit diesem Blick, da er gemerkt hatte, dass dieser seine Wirkung zeigte. Eilig griff ich mein Hab und Gut, welches ich noch aus Tarrens Mühle retten konnte. Und dann gingen wir schließlich hinaus auf das Deck.
Einige Matrosen begannen emsig damit, die Taue über Bord zu werfen, der Kapitän brüllte Befehle und Wachen standen bereit, um von Bord zu gehen. Zwei Wachen kamen auf uns zu und redeten mit Erzbischof Benedictus.
"Sir, wir sind in Menethil angekommen!".
"Das sehe ich selbst, begleiten Sie mich von Bord, Wache", antwortete dieser. Doch die Wache rührte sich nicht von der Stelle.
"Da wäre noch eine Kleinigkeit, Sir."
"Ja?"
"In ihrer Abwesenheit hat sich einiges verändert".
"Reden Sie gleich weiter, aber lasst uns erst von Bord gehen - Kommt, Cargor!"
Ich und die beiden Wachen folgten Benedictus von Bord. Ich sah mich in Menethil um, diese Festung wirkte schon größer als unser kleines Dorf Tarrens Mühle. Überall patrouillierten Wachen, Verteidungsanlagen wurden geputzt. Aber am eindrucksvollsten war die Architektur.
Eine große, viereckige Burg aus großen Granitblöcken ragte vor mir auf. Das blaue Wappen der Allianz und die Standarte mit dem Hammer von Ironforge hingen von oben herunter. Um die gigantische Burg gegliedert standen kleine Holzhäuser, Ställe und ein Gasthaus. Zwerge und Menschen, Fischer und kleine Kinder, alle schauten und zeigten auf uns. Die königliche Garde stand in einer Reihe, um uns in Empfang zu nehmen. Während Benedictus und die beiden Wachen vom Schiff diskutierten - sie waren leider zu weit entfernt, als dass ich bei diesem Lärm von Menethil etwas verstehen konnte.
Schließlich wendete er sich an mich:
"Cargor, es gibt beunruhigende Nachrichten."
Das hatte ich auch schon längst bemerkt, bin nur gespannt was es ist.
"Ich muss dringend nach Theramore. Jaina Proudmoore redet von einem bevorstehenden Angriff der Orks. Du - du wirst nach Ironforge gebracht, auf dem schnellsten Wege. Die Priester dort werden schon eine gute Lösung für dich finden. Es tut mir Leid, aber ich kann nicht bleiben."
Er kehrte mit der königlichen Garde, die mit strahlenden goldenen Rüstungen immer noch warteten, zu seinem Schiff zurück. Die zwei Wachen vorher vom Schiff drängten mich zu einem kleinen braunen Stoffzelt.
Dort sprach mich jemand unbekanntes an.
"Bist du schon mal mit einem Greifen geflogen?".
Greif? Was ist das??
Ich antwortete: "Nein, ich kann mich nicht entsinnen".
"Also es ist ganz einfach: du hältst dich an seinem Rückenfell fest, egal was passiert, nur festhalten".
Dann bemerkte ich auch die merkwürdigen Tiere hinter ihm. Sie sahen aus wie Adler, doch ihr Ende gleicht einem Löwen. Vorne hatte sie gelbe, spitze Krallen und hinten große, mächtige Löwenpranken.
Der Greifenmeister half mir beim Aufstieg auf dieses Tier. Ich bekam Angst, dieses Tier, zweimal so groß wie ein Mensch. Es könnte mich einfach so mit einer Kralle aufschlitzen.
Doch ich konnte mir nicht mehr lange Gedanken machen, denn der Greif flog los!
Plötzlich startete er mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit los und das auch noch in ziemlich großen Winkel nach oben!
Ich schloss natürlich gleich die Augen und versuchte mich zu beruhigen, dieses Vieh war doch trainiert worden! Ich bin doch nicht der Erste, der auf so etwas befördert wird!
Doch der Greif flog immer steiler und immer schneller. Mir drehte sich der Magen um und meine Herz machte ein unerhörbares Pochen, als wollte es mir aus der Brust springen. Meine Hand bohrte sich noch tiefer in das Federfell des Greifen, da drehte sich aber auch schon wieder der Winkel.
Ich öffnete die Augen und bemerkte geradeso, wie die grauen Wolken sich nach oben verschoben und ein klar erkennbarer Horizont in mein Gesichtsfeld trat.
Wir flogen über eine Art Startbahn. Herum stapelten sich lange graue Steinwände und Häuser. Ich konnte einen Tunnel sehen.
Dann hörte ich ein Knattern, immer lauter werden.
Und plötzlich tauchte direkt vor mir eine Gnomen-Flugmaschine auf! Der Greif bemerkte die drohende Gefahr gerade rechtzeitig und wich aus. Nach und nach starteten weitere Flieger in Richtung Norden. Mein "Reittier" flog zum Glück an einer schneeweißen Steilwand lang - weit entfernt von den Flugzeugen. Dann drehte der Greif eine scharfe Kurve und flog wieder nach Norden. Er ging immer tiefer, bis er schließlich knapp an einer Klippe landete - bei einem weiteren Stoffzelt, das nahezu identisch mit dem in Menethil war.
Ich stieg ab und der Greifenmeister - ja, ich habe mir alle möglichen Namen für so eine Person ausgedacht - zeigte auf ein Tor und machte mir klar, dass ich dorthin sollte.
So schritt ich auf dem kalten Schnee. Eisiger Wind wehte mir entgegen, sodass ich meinen knappen Fellmantel enger zog. Die letzten paar Meter waren der Horror, der wenige Schlaf und das Auf-und-Ab der Reise zeigten ihre Wirkung. Schritt für Schritt kam ich dem Tor näher - es schien sich allerdings immer mehr von mir zu entfernen! Ich versuchte mit der letzten Kraft es einzuholen, doch ich war zu schwach und meine Schritte zu kurz, als dass ich es schaffte, ich brach kurz vorm Ziel zusammen.
Als letztes bemerkte ich noch, wie zwei Wachen riefen: "Da liegt einer".
Dann wurde ich unsanft aufgehoben und mein Bewusstsein sackte ganz ab.
Ich fuhr in einen traumlosen Schlaf...
Kapitel 2 - Das Abenteuer beginnt
Vier Jahre sind vergangen seit der Seuche. Und so geschah es, dass sich auch die Herrschaft der brennenden Legion ihrem Ende näherte. Das Land erholte sich, die zerstörten Städte wurden wieder aufgebaut. Nur die Untoten blieben uneinnehmbar auf Lordaeron.
Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in Sicherheit in dem grünen Wald von Elwynn. Zwischen hohen Bäumen, versteckt in einem Tal im Norden, lag die kleine Siedlung Northshire. Ein Weingut nahm die östliche Seite des Tals ein und in der Mitte stand eine große Abtei. Hier verbrachte ich die letzten vier Jahre, lernte aus alten Schriften und lauschte den wahren Worten unserer Abteivorsteherin. Sie lernte mir die Kunst des Verzauberns, da ich Alchimie über die Jahre vergessen hatte.
So kam es, dass meine Ausbildung zu ihrem Ende kam. Inzwischen hatte ich Tag und Nacht zu unserem Gott, dem Heiligen Licht, gebetet und Beschwörungsformeln auswendig gelernt, sodass ich, als ich Northshire verließ, bereits ein paar nützliche Zauber beschwören konnte.
Doch vorher bekam ich eine Aufgabe: Ich war immer noch zu schwach, ich musste mich im Kampf stärken, so trat ich einer Gruppe von Leuten bei, deren Aufgabe es war, das alte Weingut im Osten von bösen Banditen und Gaunern namens "Defias" zu säubern...
Ich trat hinaus aus der Abtei. Grelles Sonnenlicht schien mir durch die Baumwipfel entgegen. Ich hielt meine Hand vor die Augen und schritt vor. Ein paar Armlängen vor mir stand eine Gruppe von Leuten, meine Gruppe. "Hallo ihr! Bereit zur Jagd?", rief ich. Ein Mann in einer alten Rüstung trat vor. "Du musst Cargor sein, oder? Wir haben schon auf dich gewartet, du bist spät dran".
"Ich hatte noch etwas zu tun - die ganzen alten Schriften lesen nimmt sehr viel Zeit in Anspruch".
Ein braunhaariger Kerl mit einem Holzstab und in einer dunkelblauen Robe trat auf mich zu. "Naja, jetzt bist du ja da!", sagte er zu mir und drehte sich zu den anderen wieder um, "Kommt Leute, machen wir die Defias alle!".
Die Truppe, bestehend aus einem Magier, einem Krieger und einem Paladin und natürlich mir, machte sich auf den Weg.
Wir überquerten einen kleinen Fluss, hinter dem sich das Weingut befand.
"Stehenbleiben ihr!" Erschrocken drehte ich mich um. Zwei Defias waren uns gefolgt! "Ihr seid hier auf unserem Gelände, das gibt uns das Recht, uns gegen Eindringlinge zu verteidigen!"
Unser Paladin, ein hochgewachsener Mann mit einem unvorstellbar großen Hammer in der Hand, schritt auf die Defias zu.
"Euer Gebiet? Pah, dieses Gebiet gehört wie alle anderen in Elwynn zu unserem König!"
"Den König kannst du dir sonst wohin stecken, dies ist unser Teil", antwortete der größere der beiden Banditen. "Joe, bleib hier, ich kümmere mich um unsere vier Helden".
Mit diesen Worten griff er unvermittelt an. Der Dolch, der an seinem Gürtel hing, lag plötzlich in seiner Hand. "Sterbt!!!", rief er. Der Dolch fuhr blitzschnell auf mich herunter, ich sprang zur Seite. Unser Krieger zog schnell sein Schwert und schlug auf den Defias ein. Dieser parierte mit seinem kleinen Dolch und zog nebenbei noch einen anderen aus seiner linken Tasche. "Ihr haltet euch wohl für sowas von stark! Passt nur auf!". Er startete einen weiteren Angriff, diesmal von links. Er hatte es ganz auf mich abgesehen. Der Dolch kam immer näher, der Paladin griff jetzt auch an. Sein schwerer Holzhammer traf den Gauner hart an der Seite, Er keuchte, doch griff sofort wieder an. Der Dolch raste wieder auf mich nieder. Diesmal erwischte er mich. Ich schrie auf, als mir die Klinge mit ungebremster Grausamkeit eine tiefe Wunde am Arm zufügte. Ich stürzte nach hinten. Der Defias, der in blinder Wut einfach nur töten wollte, rannte auf den Magier zu. Und zog ihm eine mit dem Griff seines Dolches über. Der Magier konnte nicht mehr auswichen, so bekam er den Dolch genau auf den Kopf. Der stumpfe Griff richtete zwar kaum Verketzungen an, aber der Schlag war so hart, dass unser Magier bewusstlos zusammenbrach. Diesen Moment nutzte unser Krieger und rannte mit erhobenen Schwert auf den Banditen los, der gerade seine Kraft auf den Magier angewandt hatte. Er drehte sich im letzten Moment um, doch es war bereits zu spät: Der Krieger bohrte ihm das Schwert tief in die Brust.
Wir drehten uns zu dem verbleibenden Defias um und sahen ihn an. Er starrte zurück und stammelte nur "Oh gott, er hat ihn umgebracht". Dann verschwand er im dichten Wald.
Der Krieger schaute wieder mich an. "Das war knapp, ich glaube, wir sollten uns bei einem belassen". Der Paladin kümmerte sich um den Magier, der gerade wieder erwacht war.
In der Zwischenzeit ging der Krieger zu mir und behandelte meine Wunde am Arm mit ein paar Verbänden. "So, das wird schon wieder, so tief ist die Wunde nicht, wie es scheint. In ein paar Tagen bist du wieder auf dem Damm. Ruhe dich erstmal aus."
